Besondere Menschen erkennt man nicht, man fühlt sie.

In diesem Beitrag wollte ich eigentlich über verschiedene Arten von Stellplätzen schreiben, aber es kam etwas unvorhersehbares dazwischen – das Leben.

Hätte ich vor dieser Reise schon angefangen ein Tagebuch zu führen, könnten wir besser nachvollziehen, ob wir früher auch so unglaublich inspirierende, hilfsbereite und vor allem mutige Menschen kennengelernt haben, wie in diesem Jahr. 

Möglicherweise bietet aber auch die Suche nach persönlicher Freiheit und nach dem Glück auf vier Rädern so viel Gesprächspotential, worüber man sich mit anderen Reisenden verbindet.

Wir ziehen los, um das Leben zu spüren und uns zu finden. Was wir dabei nicht selten erleben sind unerwartete Situationen und so manche Herausforderung, die es zu lösen gilt. Vielleicht kennt ihr dieses dankbare Gefühl, wenn feststellt, dass man damit nicht alleine ist. 

The Power of Social Media

Nach unserem „Schreckenspost“ am 9.11. auf Instagram haben einige gefragt, ob alles in Ordnung bei uns ist. Das war unheimlich lieb und es ist schön zu spüren, dass wir bisher digital ebenfalls großartige Kontakte knüpfen konnten. Danke für jeden einzelnen von euch!

Und JA, bei uns ist alles in Ordnung – wieder. Denn an einem Tag vorletzte Woche sah es kurzzeitig nicht danach aus.

Was uns diese Situation allerdings in Erinnerung gerufen hat, sind die großartigen Reisebegegnungen, die wir in dieser Form nicht kennengelernt hätten, wären wir nicht in die Welt gezogen. Häufig entdecken wir traumhafte Orte, aber erst die Menschen an diesen Orten machen das Erlebte nachhaltig zu etwas Besonderem. 

Durch unsere Story auf Instagram, hat die „Weltreise Familie“ von Dennis entdeckt, dass wir uns in Peñíscola, in der Provinz um Valencia, aufhalten. Weil dieser schöne Platz auf ihrer Reiseroute lag, schauten sie vorbei und wie der Zufall es wollte, waren wir noch hier. Die Freude war groß. Wer rechnet schon damit, dass plötzlich jemand um die Ecke kommt, den man aus Deutschland kennt. 

Free your mind and the rest will follow

Bei der Workation der Campernomads im März dieses Jahres, lernten wir Dennis kennen. Von Anfang an passte die Chemie zwischen uns. Er erzählte von seiner Liebsten, Janet, die zu dieser Zeit schwanger ist. Kurze Zeit, nachdem der Nachwuchs im Sommer da ist, wollten sie mit den insgesamt drei Kids im Wohnmobil auf Weltreise gehen. Oft hören wir von Außenstehenden, dass man nur uneingeschränkt reisen kann, solange man keine Kinder und damit verbundenen Verpflichtungen hat – wie in unserem Fall. Wir persönlich teilen diese Aussage nicht. Jede Familie kann selbst entscheiden, was ihnen guttut und inwiefern ein bestehender Reisewunsch umsetzbar ist. Unserer Meinung nach gibt es immer Wege und Möglichkeiten seine Träume zu verwirklichen. Diese inspirierende Familie ist nur ein Beweis unter vielen, die wir bisher kennenlernen durften! 

An diesem Tag lernten wir außerdem eine Camperin kennen, die in einem alten Mercedes Bus auf dem Weg nach Portugal ist. Kirstin ist auf Wurzelsuche ihres Dalmatiners. Sie möchte mehr über deren Herkunft und frühere Haltung erfahren. Als Gebärmaschine wurde die Hundedame in ihrem ersten Leben missbraucht, bis sie vor einem halben Jahr zu Kirstin fand, die sich seitdem um die fünfjährige Hündin kümmert. Dass sich die beiden als Team vertrauen und wunderbar ergänzen, war schön mit anzusehen. Kirstin selbst ist vierfache Mama und gönnt sich fernab von ihren Lieben das Glück von Vanlife durch Europa. Die Gespräche mit dieser Frau waren intensiv, aber leider nicht von langer Dauer – Reisende soll man bekanntlich nicht aufhalten. 

Auf los geht’s los. Oder nicht?

Nach der Begrüßung von Dennis und der Unterhaltung mit Kirstin wollten wir zum Einkaufen fahren. Am späten Vormittag hofften wir, dass unser kostenloser Stellplatz direkt am Meer noch frei sein würde, wenn wir zurückkommen. Erfahrungsgemäß suchen sich die meisten Camper auf der Durchfahrt erst ab dem Nachmittag ein Nachtlager. 

Wir sitzen im Auto. Tobi will losfahren. Nichts passiert. 

Der Benz startet nicht. 

Wir gucken uns an. 

Shit… was ist da los?

Dennis kommt vom Stellplatz in der Nähe rüber zu uns. Unsere Fragezeichen im Gesicht sprechen scheinbar Bände.

Unsere Tacho-Anzeige spielt verrückt – alles leuchtet kreuz und quer auf bei dem Versuch den Daimler zu starten.

Wir versuchen das Auto mit der Strombox zum Laufen zu bringen. Der Benz zuckt kaum merklich. Die Strombox ist nicht voll aufgeladen. Wir stellen voller Hoffnung die Solarmatte auf, um die Box zu laden. Ausgerechnet jetzt ist es leicht bewölkt. 

Kirstin bietet an uns Starthilfe zu geben. Auch dieser Versuch scheitert.

Mit seinem Multimeter misst Dennis die Spannung der Autobatterie. 

8 Volt. Praktisch tot. 

Bei einem Baujahr von 2011 kann die Batterie schon mal abkacken, das sehen wir ein, aber warum gerade jetzt und hier? Wird es das einzige Problem sein oder ist es doch die Elektronik?

DIY oder Werkstatt?

Tobi und ich befürchten das Schlimmste. In den fünf Jahren, in denen wir das Auto fahren, haben wir aufgrund verschiedener Mängel schon oft eine Werkstatt aufsuchen müssen…. nicht zuletzt wegen einem Motorschaden. Hab ich schon erwähnt, dass wir einen Diesel fahren?

Ein Hoch auf die Qualität deutscher Fahrzeughersteller. 

Kirstin ist glücklicherweise mit Werkzeug bestens ausgestattet. Wir entscheiden uns dazu die Autobatterie auszubauen. Jeder von uns haut ein bisschen Know-how in den Topf und alle Hände packen fleißig mit an. Wir sind in dem Moment mehr als dankbar für die beiden, nicht nur, weil sie uns helfen, sondern auch beruhigen. 

Kirstin kontaktiert einen Deutschen, den auch wir am Vortag durch seine offene Art kennengelernt haben – Dirk. Der 60-Jährige flüchtet sich, seit fünf Jahren, jedes Jahr vor dem deutschen Winter in diese Gegend, um die milden Temperaturen zu genießen und kennt sich hier bestens aus. Wir fragen ihn, wo wir in der Nähe am besten eine Autobatterie herbekommen. Er schickt uns zum Carrefour nach Vinaròs 20 km weiter, in eine Art Supermarkt mit riesigem Sortiment, vergleichbar mit Kaufland oder Real in Deutschland. Kirstin fährt uns hin, sie ist ein Engel. Die Fahrt kommt mir endlos vor. Werden wir bekommen was wir brauchen und verläuft das Einbauen der Batterie so reibungslos, wie der Ausbau? – sind meine Gedanken. 

Übrigens hat keiner von uns vieren Fahrzeug technische Kenntnisse – Google und YouTube sei Dank. 

Glücklicherweise finden wir eine Autobatterie, die von der Größe her zwar passt. Die technischen Daten darauf sind jedoch nicht identisch mit unserer alten. Auch das noch. Für uns Planlose wieder eine Hürde auf dem DIY-Reparatur-Marathon. Kurzerhand greift Kirstin wieder zum Hörer und ruft in Deutschland den Kfz-Mechaniker ihres Vertrauens an, der ihren alten Mercedes Bus reise tauglich hergerichtet hat und uns bei der Entscheidung hilft. Habe ich schon erwähnt, dass sie ein Engel ist! 

Mit neuer Batterie im Schlepptau geht’s zurück zum Stellplatz nach Peñíscola, wo Dennis uns schon erwartet. 

Jetzt beginnt die heiße Phase. Zusammen setzen wir die neue Batterie ein. Puh, was für eine aufregende Angelegenheit. Das Einsetzen klappt reibungslos. Dennis filmt zwischendurch für den YouTube-Kanal der Familie. Später lachen wir wahrscheinlich über diese Aktion, auch wenn uns in diesem Moment weniger zum Lachen war. War das Problem wirklich nur die Batterie oder doch die Elektrik?

Es wird ernst

Der Moment, indem sich Tobi ins Auto setzt, um zu starten ist gekommen.

Er steckt den Schlüssel in die Zündung. 

Ich bin so nervös, wie vor einer Prüfung. 

Tobi dreht den Schlüssel und – wohoooo – der Benz brummt wieder.

Ein riesiger Stein fällt uns vom Herzen. 

Dass das Problem am Ende so leicht zu lösen ist, daran haben wir, durch unsere Vorgeschichte mit dem Daimler, bis zum Schluss gezweifelt. 

Der Tag war gerettet.

Wie geplant und geleitet vom Bauchgefühl verabschiedete sich Kirsten, um weiter in den Süden zu fahren. 

Dennis widmete sich wieder dem Schnitt seines Videos. 

Tobi und ich mussten mental wieder runterkommen und spazierten 6 km in die Stadt und wieder zurück – die Lust am Autofahren war uns heute vergangen.

Wie selbstverständlich und entspannt uns die beiden an dem Tag zur Seite standen und uns tatkräftig unterstützt haben ist ein unfassbares Geschenk. 

Besondere Menschen erkennt man nicht, man fühlt sie.

Am nächsten Tag hatte Dennis Geburtstag. Wir hatten uns vom Schock erholt und fuhren erstmal einkaufen. Heute sollte es etwas Besonderes geben. Zur Feier des Tages und als Dankeschön für die Hilfe kochten Tobi und ich stundenlang ein deftiges deutsches Gericht auf dem Campingkocher. 

Es gab Rouladen mit Semmelkloß. 

Gegen 21 Uhr saßen wir mit Janet zu viert (die Kids waren im Bett) am Meer im Mondschein unter dem Sternenhimmel und schmatzten unser Festmahl. 

Funny Fact: ich selbst esse seit 20 Jahren kein Fleisch, aber freue mich, wenn andere es genießen können.

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung, aufgrund von Namensnennungen.

Stay conscious
Tina + Tobi

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